| |
6. Tag - Kilmeena -> Tralee
ach einem reichhaltigen Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg nach Tralee, der 338 km lang werden sollte. Wir durchquerten wieder Westport, um am nahegelegenen Lough Mask entlangzufahren.
Bei Finny verließen wir die Mask-Strecke und fuhren am viel kleineren Lough Nafooey vorbei. Wie im "Herzen" Connemaras war auch hier die Landschaft wieder eine Sahneschnitte für die Augen. Diese Strecke war auch kurvig aber leider ziemlich hoppelig und die Schafe waren wieder die Herren des Straßenrandes (Video-Trailer - 8 MB).
Langsam aber sicher verließen wir Connemara endgültig und kamen nach ein paar zig Kilometern wieder in Galway an, wo (so hieß es) "Europas größte kostenfreie Luftwaffenschau" stattfand, bei der die Red Arrows der königlich-britischen Airforce ein Highlight gewesen sein sollten. Viel haben wir davon nicht mitbekommen, denn wir mußten ja noch nach Tralee. Wir hatten lediglich bei der Ankunft in Galway einen Kunstflieger mit seiner Propellermaschine und einige Hubschrauber beobachten können.
Als wir uns wieder auf dem Weg machten, Galway den Rücken zu kehren, holte mich eine Frau vom Bike, die mit den Verkehrsregeln, speziell was die irischen Kreisverkehre betrifft, nicht so ganz vertraut war. In Irland sind die größeren "Roundabouts" zweispurig ausgelegt, was meiner Meinung nach nicht ganz dumm ist; wenn man die erste Ausfahrt nehmen möchte, ordnet man sich vor dem Kreisverkehr auf der linken Spur ein, blinkt wie bei uns von vornhereien links und fährt raus. Wenn man die 2. oder 3. Ausfahrt oder gar die Ausfahrt rausfahren möchte, wo man hergekommen ist, dann ordnet man sich vor dem Kreisverkehr in der rechten Spur ein, blinkt rechts, fährt auf der inneren Kreiselspur und blinkt dabei solange rechts, bis die gewünschte Ausfahrt erreicht ist und blinkt dann links, um auf der rechten, rausführenden Spur den Kreisverkehr zu verlassen. Nun, in unserem Fall wollten wir die 2. Ausfahrt raus und befanden uns also auf der inneren Kreiselspur. Die junge Frau fuhr mit uns in den Kreisverkehr rein - allerdings auf der linken Spur. Sie nahm die erste Ausfahrt nicht und als ich bei der 2. Ausfahrt blinkenderweise raus wollte, erwischte sie mich am Hinterrad. Ich sah sie noch im Augenwinkel, wie sie sich gefährlich näherte und gab instinktiv ein wenig mehr Gas, damit sie nicht meine volle Breitseite erwischte. Doch durch die Berührung am Hinterrad konnte ich meine Kleine nicht mehr in der von mir eingeschlagenen Spur halten und fuhr schnurstracks auf die zu diesem Zeitpunkt noch ca. 2 Meter entfernte Verkehrsinsel zu, die zum einen mit Wiese ausgestattet war aber die zum anderen leider auch ein Bordstein zierte. Ich steuerte also auf diesen Bordstein zu, es gab einen satten Schlag auf's Vorderrad, die CB verlor schlagartig an Geschwindigkeit und kippte nach links.
Das Bike fiel weich und ich ebenso. In der ersten Sekunde war noch alles in Ordnung, der Motorschutzbügel oder irgendwas anderes vorstehendes lag genau auf der Bordsteinkante und gab somit meinem noch darunter steckenden Fuß den nötigen Freiraum. Doch in der nächsten Sekunde rutsche mein Moped ein Stück vom Bordstein runter und fiel so unglücklich auf meinen Fuß, daß ich vor lauter Schmerzen Sterne sah und meiner geliebten Kleinen mit dem rechten Fuß kurzerhand einen kräftigen Tritt auf die Sitzbank verpaßte, denn die 180 kg wirkten in dem Moment wie ein ausgewachsener Elefant auf mich. Der Schmerz ließ schlagartig nach und in meinem Kopf rotierte es; was ist mit meinem Moped? Was ist mit meinem Fuß? Um Himmelswillen bitte keinen Bruch! Der Gedanke an einen Gips lähmte mich, denn dann hätte ich mich in den nächsten Flieger setzen und meine CB da lassen müssen. Unvorstellbar!
Jäh wurde ich in meinen Gedanken unterbrochen, denn die Unfallverursacherin (eine Krankenschwester) beugte sich über mich und fragte, ob alles ok sei. Ich wundere mich heute noch, daß ich relativ ausführlich in englisch antwortete, obwohl mir nach Vokabel-Findung überhaupt nicht zumute war. Ich dachte an meinen Fuß und bemerkte einen pochenden Schmerz, der meine Angst wieder wachsen ließ. Klaus hatte inzwischen die CB wieder in die Senkrechte gestellt, weil er dachte, daß mein Fuß immer noch eingeklemmt sei und die Frau half mir zusammen mit ihrer Beifahrerin auf die Beine oder besser auf ein Bein. In der Zwischenzeit hatten noch 2 irische Motorradfahrer angehalten, die schon den Notarzt rufen wollten. Aber ich gab allen Anwesenden zu verstehen, daß ich keinen Krankenwagen bräuchte, sonst hätte ich ja mein Bike alleine lassen müssen.
Ich versuchte zu stehen und zu gehen und es klappte mehr schlecht als recht. Matt und Detlef hatten von all dem nichts mitbekommen und kamen nun auch wieder zurück, nachdem sie von einer Autofahrerin, die meinen Abflug beobachtet hatte, informiert wurden. Die Unfallverursacherin gab mir derweil unaufgefordert und umgehend Ihre Kontakt- und Versicherungsdaten; auch ihr war zu diesem Zeitpunkt klar, daß sie die Schuld an dem Unfall trug. Ich begutachtete ängstlich die CB und stellte relativ erleichtert fest, daß der linke hintere Blinker nun ebenfalls den Kopf hängen ließ und der Schalthebel sich zum Moped hin verbogen hatte.
Nachdem ich einigermaßen auftreten konnte, die CB nach ein paar Start- und Schaltversuchen wieder schnurrte und der Schalthebel sich zum Glück noch betätigen ließ, ging es weiter in das kleine Örtchen Clarinbridge, wo ich eine gute halbe Stunde lang mein linkes Bein in einen Bach tauchte, um die Schwellung zu besänftigen, denn mein linker Stiefel wurde mir inzwischen doch etwas zu klein. Das Schalten war die folgenden Tage nicht so angenehm, denn genau da, wo man den Schalthebel betätigt, hatte ich eine ordentliche Zerrung, wie sich später herausstellte.
Wieder in Tralee angekommen, war für mich der Tag beendet; kein Pub, kein Abendessen... Ich war ziemlich müde, gönnte dem irischen Fernsehen meine Aufmerksamkeit und kühlte meinen Fuß mit einem Beutel Eis, den mir die Wirtsleute vom "Denton" freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatten.
 |
 |
|