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Vorderradbremse entlüften / Bremsflüssigkeit wechseln
CB00 (PC26 & PC32)

 
Grundsätzliches
Gut funktionierende Bremsen sind für die Fahrsicherheit des Motorrades unabdingbar. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Bremsbeläge, sondern auch die Bremsflüssigkeit regelmäßig zu wechseln. Es gibt verschiedene Klassen von Bremsflüssigkeiten. Diese werden in die Klassen DOT3 bis DOT5 eingeteilt (mehr Lesestoff bzgl. Bremsflüssigkeiten). Für die CB500 wird die Klasse DOT4 verwendet.

Eine moderne Bremse kann an der Bremsscheibe Temperaturen bis zu 800° C entwickeln. Diese Hitze wird über die Beläge an die Kolben und weiter an die Bremsflüssigkeit geleitet. Der Siedepunkt der DOT4-Bremsflüssigkeit liegt bei 230° C. Bremsflüssigkeit auf Glykol-Basis ist jedoch stark hygroskopisch, d.h. dass sie auch in einem geschlossenen System Wasser anzieht. Je mehr Wasser sie angezogen hat, desto niedriger wird der Siedepunkt. 3% Wasseranteil können den Siedepunkt auf 150° C sinken lassen; es kommt also zum "Kochen" der Bremsflüssigkeit, wobei Dampfblasen entstehen. Beim Bremsen wird dieser Dampf zusammengepresst, der Druck wird aber nicht auf die Kolben weitergegeben und somit löst sich die Bremswirkung in Luft bzw. Dampf auf.

  Vorsicht: Bremsflüssigkeit ist sehr aggressiv und greift Lacke, Metalle und natürlich auch die Haut an. Daher gefährdete Teile durch Lappen schützen  und immer genügend saubere Lappen zur Hand haben, um austretende Bremsflüssigkeit umgehend entfernen zu können. Ausserdem ist das Tragen von geeigneten Handschuhen ratsam.

  Für alle Arbeiten an der Bremsanlage sind entsprechende Kenntnisse Voraussetzung. Sollten die Kenntnisse nicht vorhanden sein, diese Arbeiten von einer Fachwerkstatt durchführen lassen!
Vorderradbremse entlüften
Nur wenn das Hydrauliksystem frei von Luft ist, hat die Bremse einen festen Druckpunkt und kann so eine zufriedenstellende Wirkung erzielen. Ist der Bremsdruckpunkt "schwammig" (d.h. der Bremshebel lässt sich mit schwammigem Widerstand bis an den Handgriff heranziehen) obwohl das Hydrauliksystem mechanisch in Ordnung ist, kann ein Entlüften Abhilfe schaffen:

Die CB sicher auf ebenem Grund abstellen und den Lenker so einschlagen, dass der Bremsflüssigkeits-Behälter möglichst waagerecht ausgerichtet ist. Die Umgebung des Behälters sollte durch (feuchte) Lappen geschützt werden.
Nun die Halteschrauben des Deckels losschrauben. Evtl. mit einem Hammer leicht auf den Schraubendreher klopfen, da sich die Schrauben oft nur schwer lösen lassen. Anschließend Deckel, Membran und Membranplatte entfernen und sauber ablegen (vor Verunreinigung schützen).
Etwas Bremsflüssigkeit aus einem neuen, versiegeltem Gebinde in den Behälter füllen und den Ringschlüssel über die Entlüftungsschraube am Bremssattel stecken. Dann die Schutzkappe der Entlüftungsschraube abziehen und einen duchsichtigen Schlauch von ca. einem halben Meter Länge aufstecken.
Nun in einen sauberen Auffangbehälter (z.B. leeres Marmeladenglas) etwas neue Bremsflüssigkeit einfüllen, um später das Einsaugen von Luft zu verhindern, dann das andere Ende des Schlauches in den Auffangbehälter führen. Der Auffangbehälter muss während der Arbeit senkrecht stehen und der Schlauch in der Flüssigkeit bleiben.
Am besten organisiert man sich nun einen Helfer, der "auf Zuruf" einige Male vorsichtig den Bremshebel betätigt (also pumpt) und dann den Bremshebel angezogen hält. Nicht zu heftig pumpen, da sonst die Bremsflüssigkeit hochgeschleudert wird. Während des Abpumpens stets darauf achten, dass der Bremsflüssigkeitsbehälter nicht gänzlich leerläuft – also rechtzeitig frische Bremsflüssigkeit nachfüllen, denn sonst gerät Luft ins Hydrauliksystem.
Bei angezogenem Hebel die Entlüftungsschraube ca. eine halbe Umdrehung öffnen, dann sollte schon  Bremsflüssigkeit in den Schlauch fliessen. Danach die Entlüftungsschraube schliessen und den Bremshebel lösen.

Zum Vergroessern anklickenDiese Schritte (also Pumpen - Bremshebel halten - Entlüfterschraube öffnen - Ablassen - Entlüfterschraube schließen - Bremshebel lösen) so oft wiederholen, bis keine Luftblasen mehr im Schlauch zu sehen sind. Und auch hier immer darauf achten, dass der Pegel im Behälter nicht unter die Minimummarke absinkt.
Abschließend Bremsflüssigkeit bis zur oberen Markierung auffüllen und Deckel, Membran und Membranplatte wieder anbringen. Hierbei die Schrauben nicht zu fest anziehen. Die Entlüftungsschraube mit 5,5 Nm wieder festziehen und die Schutzkappe aufstecken.
Funktionskontrolle
Den Bremshebel ein paar Mal betätigen  - nach kurzem Leerweg muss sich ein klarer Druckpunkt ergeben. Falls nicht, den Entlüftungsvorgang wiederholen und alle Teile kontrollieren. Ein unzureichender Druckpunkt kann auf verbliebene Luft im System hinweisen oder auch Zeichen einer Undichtigkeit im Bremssystem sein.
Bremsflüssigkeit wechseln
In regelmäßigen Abständen muss die Bremsflüssigkeit gewechselt werden. Falls die Bremsflüssigkeit bereits vor dem empfohlenen 18.000-Kilometer-Intervall braun verfärbt ist oder der Pegel bis auf die Minimummarkierung abgesunken ist, sollte der Wechsel der Bremsflüssigkeit vorgezogen werden.
Die Arbeitsschritte sind dieselben wie beim Entlüften, nur erfolgen die Schritte (Pumpen - Bremshebel halten - Entlüfterschraube öffnen - Ablassen - Entlüfterschraube schließen - Bremshebel lösen) so lange, bis die neue Bremsflüssigkeit im Schlauch zu sehen ist (an der hellen Farbe zu erkennen). Natürlich dürfen keine Luftblasen ins System gelangen, daher immer rechtzeitig Bremsflüssigkeit nachfüllen, ehe der Pegel unter die Minimummarke sinkt. Ein kleines Gebinde sollte übrigens reichen, denn es werden nur ca. 0,25 Liter für einen Bremsflüssigkeitswechsel benötigt.

Die nicht benötigte sowie die alte Bremsflüssigkeit werden entsorgt. Bitte zu den entsprechenden Sammelstellen bringen. da Bremsflüssigkeit zum Sondermüll gehört. Die übrig gebliebene Bremsflüssigkeit bis zum nächsten Mal aufzuheben macht keinen Sinn, da die entfernte Versiegelung dafür sorgt, dass die Bremsflüssigkeit im Gebinde nun auch Wasser anzieht.
Hilfsmittel
Die oben beschriebene Vorgehensweise zum Entlüften bzw. Wechsel der Bremsflüssigkeit ist ohne die diversen Hilfsmittel verfasst worden, mit deren Hilfe man die Arbeiten alleine bewerkstelligen und/oder verhindern kann, dass Luft über das (oftmals undichte) Gewinde der Entlüftungsschraube angesaugt wird. Jeder bevorzugt halt was anderes oder verzichtet komplett auf Hilfsmittelchen. Ob und was man sich davon zulegt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
 
  • Bremsentlüftungsschlauch mit Ventil
    Wenn man sich die Erfahrungsberichte durchliest, scheint ein Bremsentlüftungsschlauch mit Ventil schon hilfreich zu sein, um ein Ansaugen der Luft über die Entlüftungsschraube zu vermeiden.
  • Bremsenentlüftungsgerät mit Vakuumpumpe
    Bremsenentlüftungsgeräte mit Vakuumpume ersparen einem das Pumpen via Bremshebel.
  • Stahlbus-Entlüfterschraube
    Die Stahlbus-Entlüfterschraube ist ein Adapter, der die normale Entlüfterschraube ersetzt und immer dicht in den Bremssattel eingeschraubt bleibt. Damit soll endgültig verhindert werden, dass Luft beim Befüllen oder Entlüften ins Bremssystem eindringt. Für die PC26 sollte man M8(x1,25) verwenden, für die PC32 M10x1.
    Bei Skepsis und Fragen hilft dieser Foren-Thread auf cb-500.de weiter.
Aktualisiert: 11.03.2019